
Aufgabenstellung
Armut und gesellschaftliche Ausgrenzung werden häufig in einem Atemzug genannt – doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang? Die Analyse gibt einen Überblick über Konzepte der Armutsforschung, die Ausprägungen von Einkommensarmut sowie die Übergänge. Diskutiert werden verschiedene Konzeptionen von Armut, zu denen auch die so genannte konsistente Armut gehört. Dies meint ein Zusammentreffen von Einkommensarmut mit einer gleichzeitigen Benachteiligung in mehreren anderen Lebensbereichen (Kumulation von Problemlagen).
Kernergebnis
Es gibt teilweise und zeitweise Ausgrenzungen sowie fließende Übergänge zwischen Armut und Nicht-Armut. Dies spricht für einen eher abgestuften, graduellen und dynamischen Ausgrenzungsbegriff und gegen eine scharfe Trennlinie zwischen „innen“ und „außen“. Auch wenn sich die Mobilität der Armutsbevölkerung in den vergangenen Jahren verringert hat, und es mehr kleinere als größere Aufstiege gibt, bleibt die „Anschlussfähigkeit“ an Nicht-Armut, Normalbiographie und normale Lebensführung auch bei längerfristiger Armut gewahrt.
Autoren
Dr. Petra Buhr: Diplomsoziologin, seit 1988 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen am Institut für empirische und angewandte Soziologie. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind unter anderen Armut und Armutspolitik. Autoren der Bremer Langzeitstudie zur Armut und Begründerin der dynamischen Armutsforschung. Mitglied des wissenschaftlichen Beratergremiums der Bundesregierung zum Armuts- und Reichtumsbericht.
Prof. Dr. Stephan Leibfried, Professor für politische Soziologie mit Schwerpunkt Politikfeldanalyse und Sozialpolitik an der Universität Bremen im Institut für Politikwissenschaft des Fachbereichs Sozialwissenschaften.